Die Gebärmutter der Hündin besteht nicht wie bei der Frau aus einem Körper, sondern aus zwei paarweise gelagerten Gebärmutterhörnern, in denen die Föten heranwachsen. Der Weg von der Vagina bis zum Eileiter ist auffallend lang, dies erklärt aber die Paarungsweise der Hunde auf die wir bei 1.2. näher eingehen werden. In der Regel wird die Hündin alle sechs Monate läufig. Diese Phase bezeichnet man auch als Brunst und ist in die folgenden vier Phasen des Sexualzyklus eingebunden.
Ruhepause (Anöstrus) - ca. 90 Tage
Vorbrunst (Proöstrus) - ca. 10 Tage
Brunst (Östrus) - ca. 12 Tage
Rückbildung (Metöstrus) - ca. 60 Tage
Der Zyklus wird durch die Hirnanhangdrüse gesteuert und ist von vielen Faktoren wie zum Beispiel Umwelteinflüsse abhängig.
1.1. Vorbrunst
Der Eintritt der Vorbrunst zeigt sich durch das Anschwellen der Vulva bereits bevor die Blutung einsetzt. Als Beginn der Hitze rechnet man den ersten Tag der Blutung. Ein weiteres Anzeichen für die Hitze kann das Setzen von Duftmarken für Rüden sein. Erfahrene Rüden versuchen in dieser Zeit noch keine Paarungsversuche. Zu recht, denn in dieser Zeit ist die Hündin noch nicht paarungsbereit. Sie beisst die Bewerber weg oder setzt sich desinteressiert. In der Vorbrunst ist die Blutung dunkelrot bis sie zur Hochbrunst langsam verblasst.
1.2. Hochbrunst und optimaler Decktag
Die Bestimmung des optimalen Decktages ist für den Züchter von entscheidender Bedeutung.
Die Ovulation (= die Abgabe befruchtungsfähiger Eier aus dem Eierstock der Hündin in ihren Eileiter) bestimmt den Zeitpunkt der Hochbrunst. Bei vielen Hündinnen ist der optimale Decktag zwischen dem 10. und 13. Tag. Aber das kann stark variieren. Ein äusseres Anzeichen für den optimalen Decktag ist der Ausfluss, der nun hellrosa bis farblos ist und die Vulva etwas abschwillt. Die Hündin signalisiert eindeutig Deckbereitschaft, wenn sie die Rute bei Berührung (z. B. der Rüdennase an den Lenden) deutlich seitlich gebogen wegdreht und ihre Vulva von unten nach oben anhebt, um der Gliedbewegung des Rüden entgegen zu kommen.
Abb zeigt zur Seite gebogene Rute
Wenn man ganz sicher sein will, lässt man von einem versierten Tierarzt Abstriche machen. Durch diese kann man den Eisprung feststellen lassen, indem die Anteile der kernlosen und der Zellen mit Zellkern errechnet. Der Anteil von Zellen mit Zellkern muss mindestens 75 % betragen. Die Abstrichmethode sollte ab dem 6. Tag der Blutung angewandt werden, wobei in regelmässigen Abständen von maximal 48 Stunden die Abstriche ausgewertet werden sollten. Noch sicherer ist das aufwendigere Verfahren der Messung des Progesterons ( = Gelbkörperhormon im Eierstock) im Blut.
Der Decktag sollte maximal 3 Tage vor bzw. 3 Tage nach der Ovulation erfolgen. Desto näher der Decktag an den Tag des Eisprungs rückt, desto wahrscheinlicher ist ein grosser Wurf und desto besser für das ungezwungene Paarungsverhalten unserer Hunde.
2. Paarung
Perfekt wäre es, wenn Rüde und Hündin sich schon vor der Läufigkeit kennen lernen dürften, um Kontakt zu knüpfen und um festzustellen, ob sie sich "riechen" können also sich sympathisch sind. Wenn die Hündin dann "steht" (sich anbietet) und zum Rüden gebracht wird, beschnüffeln sie sich ausgiebig. Beide Hunde Rüde und Hündin müssen sich vorher gelöst haben. Die Hündin darf nach dem Geschlechtsakt nicht urinieren, da die Spermien wieder aus der Vagina gespült werden. Sollten Aggressionen auftreten, sollte den Hunden gut zugeredet werden, das alles in Ordnung ist, sollte das nicht helfen, dann ist wahrscheinlich nicht der richtige Zeitpunkt zum decken. Läuft aber alles nach Wunsch und die Hunde werben um den anderen, dann wird der Rüde interessiert an der Vulva riechen und die Duftmarke kontrollieren, während die Hündin die Rute in einem Bogen zur Seite neigt. Wenn nun der Duft dem Rüden den richtigen Zeitpunkt signalisiert, dann wird er alsbald aufreiten.
Abb zeigt Paarung
Ich persönlich halte nicht viel von den Vergewaltigungsakten mit Festbinden, Festhalten und zugebundenem Fang. Die Hündin sollte das Aufreiten willig dulden. Der Hund besteigt dabei die Hündin von hinten und umklammert mit seinen Vorderläufen die Hüften der Hündin. Dann beginnt er langsam mit einigen ihren Weg suchenden Stößen. Der Penis schachtet sich aus. Es erfolgt eine geringe Abgabe von Vorsekret. Hat er sein Ziel gefunden, stößt er häufiger, stützt sich auf seinen Hinterläufen ab. Hierbei wird der Penis voll ins Innere der Scheide gestossen. Nach einigen Stossbewegungen erreicht der Deckakt seinen Höhepunkt. Der Rüde hört mit den Beckenbewegungen auf, dann kommt es zur zweiten eigentlichen Ejakulation, die sehr spermienreich ist und tief intravaginal erfolgt. Sofort anschliessend erfährt der Bulbus glandis (Eichelknollen am unteren Ende des Penis) seine maximale Vergrösserung. Dieses Anschwellen sorgt dafür, dass Rüde und Hündin bis zur Abschwellung des Bulbus glandis miteinander verbunden sind. Diese Phase der Paarung nennt man Hängen.
Abb. zeigt die Phase des Hängens:
Dieses Hängen kann zwischen einer kurzen Zeit von wenigen Minuten bis zu 10 oder 40 Minuten dauern. Die Hunde sollten über diese Zeit durch die Menschen kontrolliert werden. Kurz nach der Verknotung folgt das Absteigen des Rüden. Hierzu gleitet der Rüde von der Hündin, hebt ein Hinterbein an, bewegt diese Extremität über den Rücken der Hündin und dreht sich so ab. Der Penis wird abgeknickt. Jetzt stehen die Hunde mit den Hinterteilen gegeneinander. Es ist durchaus erlaubt, dem Rüden bei dieser Wendung zu helfen. Diese Stellung ist die natürliche Methode, die den Tieren immer Schutz gewährt, auch während der Zeit, wo sie miteinander verbunden sind. Während dieser Phase des Hängens kommt es zur 3. Ejakulation, die zwar kaum noch Spermien enthält, dafür aber eine grosse Menge an Flüssigkeit, die die Spermien in die Eileiter schwemmt, damit der weite Weg von der Scheide der Hündin bis zur Gebärmutter überwunden wird.
Man sollte die Hündin während des Deckaktes immer so abstützen, dass sie sich nicht setzen und den Rüden verletzen kann. Während des Hängens dürfen Hunde nie gewaltsam getrennt werden, auch nicht im Fall einer unerwünschten Paarung. Hierbei könnte es zu schwersten Verletzungen kommen, welche die ganze Zuchtkarriere des Rüden zerstören können. Wenn sich der Bulbus glandis ausbreitet ist das für die Hündin und den Rüden ein oft unangenehmer Druck. Manche Hündinnen versuchen nun nach dem Rüden zu schnappen oder sich von ihm loszureissen, um diesem Druck zu entkommen. Jetzt muss man der Hundedame gut zureden und sie beruhigen, ihr klar machen, dass das alles in Ordnung ist. Wenn der Eichelknollen wieder abschwillt lösen die Tiere die Haltung auf.
Nun muss der Rüdenbesitzer sich um sein Tier kümmern. Er muss dafür sorgen, dass der Penis des Rüden wieder in den Schaft zurückgleiten kann, da er sonst austrocknet. Der Rüde muss auf Verletzungen untersucht werden. Manchmal drehen sich Schaft oder Vorhaut nach innen, halten den Penis bei der Rückkehr fest. Dies kann für den Rüden recht schmerzhaft sein, sich auf sein künftiges Paarungsverhalten negativ auswirken. Durch lecken schafft es der Rüde aber meist immer von allein sein Glied wieder in Ruhestellung zu bringen.
Die Besitzer der Hündin sollten diese nun ruhen lassen und eventuell für 10 Minuten den Hund auf den Rücken legen und das Becken anheben. Aber ich denke, dass diese Vorgehensweise aufgrund der Art der Paarung durch das Hängen überflüssig ist.
3. Trächtigkeit
Das Spermium dringt in die Eizelle ein. Die befruchtete Eizelle wandert vom Eileiter in die Gebärmutter. Nach ungefähr 8 Tagen nistet sich diese in der Gebärmutterschleimhaut ein. Dieser Vorgang des Wandern und Einnistens ist ca. am 18. Tag abgeschlossen und das eigentliche Stadium der Trächtigkeit beginnt. Die Embryonen liegen in einzelnen Fruchtkammern voneinander getrennt.
Die Dauer der Tragezeit beträgt im Durchschnitt 63 Tage. Wenn es sich um einen grossen Wurf handelt, wird die Tragezeit wahrscheinlich etwas weniger dauern. Dagegen wird ein kleiner Wurf vielleicht länger als 63 Tage getragen.
Erste Anzeichen für eine Trächtigkeit könnte das vermehrte Schlafbedürfnis der Hündin sein. Etwa ab der 3. Woche tritt Brechreiz auf und die Hündin zeigt Futtermäkeligkeit bis hin zur Nahrungsverweigerung. Zeitlich fällt diese Appetitlosigkeit und der Brechreiz mit dem Ereignis der Nidation also der Einnistung der befruchteten Eizellen in der Gebärmutter zusammen, weil sich der Stoffwechsel der Hündin auf die veränderten Ansprüche umstellt. Die Milchzitzen verstärken sich und ab der 5. Woche kann man erste Rundungen hinter den Rippenbögen feststellen. Von jetzt an sollte das Tier nicht mehr lange am Fahrrad laufen oder Hundesport betreiben.
Abb. zeigt Trächtigkeit 5. Woche:
3.1. Fütterung der trächtigen Hündin
Man sollte sich keine Sorgen machen, wenn die Hündin nicht ihre gewohnte Menge Futter aufnimmt. Sie hat ihre Gründe. Man sollte nach dem Deckakt genau so weiter füttern wie bisher. Am besten noch etwas weniger als der Hündin lieb wäre, dann entstehen keine Futterprobleme. Sollte sie nicht auffressen, dann stellen Sie nach einer gewissen Zeit den Napf weg. Man sollte die tragende Hündin nicht wie eine Kranke behandeln und schon gar nicht übermässig verwöhnen. Ab der 4. Woche sollte man Futterzusätze geben wie Kalzium, Phosphor, Spurenelemente und Vitamine. Ein zuviel an diesen Zusätzen kann ebenso schädlich sein wie ein zuwenig. Also beachten Sie die Angaben des Herstellers. Abwechslung im Futter ist sehr beliebt bei allen Hunden egal ob tragend oder nicht. Getreideflocken, Milchprodukte, Eier, Gemüse, Obst, Honig, Fisch, Dorschlebertran und natürlich Fleisch, vermengt mit dem Grundfutter. Hier muss der Züchter wissen wie die Zusammensetzung des Futters aussieht, um den Ansprüchen seines Hundes gerecht zu werden. Wenn es aber um die ausschliessliche Gesunderhaltung der tragenden Hündin geht dann kann man auch nur das industriell gefertigte Futter geben. Das Futter aus dem Fachhandel ist sorgfältig zusammengesetzt und ist voll ausreichend.
Tabelle 1: Zusätzlicher Futterbedarf der tragenden Hündin
Körpergewicht
Hündin in kg
Erhaltungsbedarf
pro Tag in kJ
Zusatzbedarf pro Tag
ab 30. Tag in kJ
Zusatzbedarf im Verhältnis
Zum Erhaltungsbedarf %
2
5
10
20
30
40
920
1825
3100
5200
7050
8800
300
750
1500
3000
4500
6000
32,6
41,1
48,4
57,7
63,8
68,2
An dieser Tabelle sieht man, dass bereits eine tragende Hündin mit ca. 10 kg schon fast das Doppelte an Zusatzbedarf hat. Der Zusatzbedarf gilt ab dem 30. Trächtigkeitstag. Das erklärt sich dadurch, dass der Fötus in der ersten Trächtigkeitshälfte nur 10% seines abschliessenden Geburtsgewichts erreicht und die restlichen 90% kommen in der zweiten Hälfte der Tragezeit hinzu. Aber wie gesagt, die Hündin weiss am besten, was für sie gut ist. Im Zweifel bei zu geringer Nahrungsaufnahme den Tierarzt fragen.
Wenn ihr Hund nicht wieso schon 2 mal am Tag gefüttert wird sollten Sie dies spätestens ab der 4. Woche tun. Ab der 7. Woche bei grossen Würfen sollte die Menge auf bis zu 4 Rationen aufgeteilt werden. In den letzten 4 Tagen vor der Geburt sollte die Futtermenge wieder etwas reduziert werden, was die Hündin meist aber von alleine tut.
Wichtig ist die Ausgewogenheit von Futter und Bewegung. Die Hündin braucht viel ruhigen Auslauf, um fit für die Geburt zu sein.
Abb. zeigt Trächtigkeit 7. Woche:
3.2. Wie kann man die Trächtigkeit feststellen?
Es ist nicht ganz einfach eine Trächtigkeit festzustellen, weil die äusserlichen Veränderungen wie zum Beispiel die Veränderung der Zitzen oder das vermehrte Schlafbedürfnis auch bei Hündinnen auftreten, die scheinträchtig sind.
Der Tierarzt kann auf verschiedene Weisen eine Trächtigkeit feststellen:
Abtasten (Palpation) des Bauches: möglich am besten am 24. bis 32. Tag, aber Vorsicht dieses Abtasten erfordert grosse Erfahrung, sonst wird den Föten oder der Hündin geschadet also besser in eine Spezialklinik fahren!!!
Ultraschall-Untersuchung: möglich ab dem 28. Tag oder später, gibt keine Auskunft über die Anzahl der Welpen, diese Untersuchung ist unschädlich für die Hündin und die Welpen
Bluttest: möglich ab dem 30. Tag
Röntgenaufnahme: möglich ab dem 45. Tag, aber ca. erst ab dem 55 Tag lassen sich die winzigen Skelette voneinander abgrenzen, so dass man die Welpenanzahl bestimmen kann, die Hündin wird einer Strahlung ausgesetzt
Abhören mit dem Stethoskop: möglich ab der letzten Trächtigkeitswochen, die Herztöne der Welpen sind schneller als die der Mutter
Abb. zeigt Ultraschall-Foto
4. Die Geburt
Von entscheidender Bedeutung für einen guten Geburtsablauf ist das absolute Vertrauen der Hündin zu seinem Menschen. Ca. eine Woche vor der Geburt sollte die Hündin mit ihrer Wurfkiste vertraut gemacht werden. Keines Falls sollte die Hündin weggesperrt oder allein gelassen werden.
Die Wurfkiste sollte so gross sein, dass die Hündin die ersten zwei bis drei Wochen ausreichend Platz hat. Die Höhe entspricht etwas mehr als der Schulterhöhe. Das Querformat der Kiste sollte ihr erlauben voll ausgestreckt zu liegen. Bei der Geburt drückt sich die Hündin mit den Pfoten und dem Rücken an der Kiste ab, deshalb darf der Abstand der längeren Seitenteile nicht zu lang sein. Wichtig ist auch, dass keine Bodenkälte in die Kiste eindringen kann, also gut isolieren (z. B. über eine 5 cm hohe Bodenleiste). Bei grossen Hunderassen ist das Benutzen eines Distanzrahmens ratsam. Dieser Rahmen verhindert, dass ein Welpe zwischen dem Rücken der Mutter und der Kistenwand eingeklemmt wird und erstickt.
Abb. zeigt Wurfkiste
Ab dem 58. Tag wäre es gut seine Hündin auch nachts in der Nähe zu haben. Einen Tag vor der Geburt werden die Hüftknochen erkennbar, weil sich die Früchte absetzen, dabei geben die Bänder der Gebärmutter nach und die Welpen werden auf die Geburt vorbereitet und in Position gebracht. Oft ist es so, dass die werdende Hundemutter nicht mehr ihre gewohnte Nahrungsmenge zu sich nimmt oder gar nichts mehr möchte, wenn die Geburt bald ansteht. Dazu kommt dann noch zeitweiliges Hecheln, welches die Körpertemperatur senkt und die Eröffnungswehen einleitet. Alle 4 Stunden muss man die Temperatur rektal messen. Die Normaltemperatur bei Hunden liegt bei 38° bis 39°C. Kurze Zeit vor der Geburt findet die Temperatur ihren Tiefstpunkt um die 37°C.
Weitere eindeutige Anzeichen für eine baldige Geburt können sein:
Zunehmende Unruhe
Scharrzwang, Lagerbildung und Aufsuchen des Lagers
Vulva lecken und Ausscheidungen
Hecheln und unsicherer Ausdruck/Abwesenheit
häufiges Schlucken, Zittern, Winseln
Vorbereitungen zur Geburt
Auf den Kunststoffboden der Wurfkiste geben wir ein altes Bettlaken, dass die Hündin ihren Zwang zu scharren und ihr Lager zu bauen befriedigen kann.
Geburtspech und Fruchtwasser werden mit einem extrem saugfähigem Bodentuch (getaucht in Sagrotanlösung) aus der Kiste entfernt. Die Hündin wird ebenfalls gereinigt und getrocknet. Weiterhin sollte man einen Pappkarton bereit stellen. Auf dessen Boden befinden sich Wärmflaschen mit einer Wassertemperatur von 40°C gefüllt. Darüber ein altes Frotteetuch. Dorthinein kommen die erstgeborenen Welpen, wenn die Geburt weiter geht und die Hündin unruhig und dann manchmal auch ungeschickt mit den bereits geborenen Welpen umgeht. Die Welpen wurden in der Geburtenpause gesäugt und sind nun ruhebedürfig. Anstelle einer Wärmflasche kann man eine Rotlichtlampe benutzen. Um die Temperatur zu gestalten, muss man ein Thermometer an die Stelle legen an der ein Welpe später liegen soll und darauf die Lampe gerichtet. Bei einer Temperatur von 25 - 28°C geht es den Welpen gut, denn in den ersten Tagen reicht ihre Energie nicht, aus eigenem Antrieb die Körpertemperatur auf 38°C zu halten und brauchen deshalb die Nähe des mütterlichen Körpers oder der Wurfgeschwister.
Dann brauchen wir noch etwas Garn, um eventuell die Nabelschnur abzubinden und eine Schere, um das Garn durchzuschneiden. Die Nabelschnur wird auf gar keinen Fall abgeschnitten, sondern sofern es die Hündin nicht selber macht, zwischen den Fingernägeln abgequetscht.
Auch brauchen wir eine digitale Waage, Papier und Stift zum notieren der Geburtsgewichte. Sterile Handschuhe und Vaseline, falls man bei der Geburt eingreifen muss.
Etwas Brandy mit Wasser verdünnt, um dem Welpen oder der Mutter bei Erschöpfung zu helfen. Es wird unter die Nase gerieben.
Auch sollte man Milchflasche und Welpenmilch parat haben, denn durch die Anstrengung der Geburt kann die Milchversorgung der Mutter aussetzen.
Zurück zur Geburt
Die Eröffnungswehen setzen ein. Das erkennen wir an dem zeitweiligen Hecheln. Die Vulva ist weich und weisslicher Ausfluss tritt aus. Der Gebärmutterhals beginnt sich zu öffnen, wenn innerhalb der Hündin Muskelbewegungen auftreten. Durch diese Muskelkontraktion werden die Welpen in ihren Fruchtblasen aus den Uterushörnern Richtung Gebärmutterhals geschoben. Auf die Wehenkontraktion hat die Hündin keinen Einfluss. Wenn nach 3 Stunden Hecheln und Eröffnungswehen keine Welpenaustreibung erfolgt, dann müssen Sie einen Tierarzt anrufen, der mit einer wehenfördernden Spritze die Geburt einleitet. Wehenschwäche ist ein grosses Problem bei vielen Hündinnen.
Wenn der erste Welpe am Gebärmutterhals ankommt, setzen die Presswehen ein, die man sehr gut von den Vorwehen unterscheiden kann. Sie laufen wellenförmig über den Hundekörper. Die Hündin ist zwischen den Presswehen sehr unruhig. Bewegung während der Geburt erleichtert und verkürzt diese. Lassen sie die Hündin unbedingt an der Leine, wenn Sie mit ihr durch den Garten laufen. Die Bewegungen erfolgen instinktiv. Sie scharrt, dreht sich oder sie macht den Rücken krumm. Alle diese Bewegungen unterstützen die Schiebungen der Welpen auf ihrem Weg in unsere Welt.
Der erste Welpe hat es besonders schwer. Er muss den anderen den Weg durch das Becken der Hündin bahnen und das Becken dehnen. Wenn der Welpe an dieser engsten Stelle des Geburtsweges angekommen ist, dann stellt die Hündin ihre Rute auf und knickt sie ab der Rutenwurzel bogenförmig nach unten ab, wahrscheinlich um diese Stelle im Becken weiter dehnen zu können. Durch den Muskeldruck platzt oft die Fruchtblase und eine grünliche Flüssigkeit tritt in einem Schwall aus der Scheide aus. Nun beginnt die Austreibungsphase. Das Fruchtwasser macht den Geburtsweg gleitfähig. Der Welpe steckt nun im Geburtskanal fest. Wenn 15 Minuten nach dem Austreten des Fruchtwassers kein Welpe geboren wurde, dann rufen Sie unbedingt den Tierarzt.
Geht alles gut, dann sehen Sie bald eine dunkles Bläschen, also die Fruchtblase mit dem Welpen oder wenn die Fruchtblase schon geplatzt ist, direkt etwas von dem Neugeborenen.
Abb. zeigt Welpe in Fruchtblase
Der Welpe, der noch in der Fruchtblase ist, wird von der Hündin im besten Fall von der Hündin befreit. Mit den Schneidezähnen öffnet sie die Blase und massiert den Welpen mit ihrer Zunge, damit sein Kreislauf in Gang kommt, und er den ersten Atemzug nimmt. Dies erfolgt oft mit einem Schrei oder einem nach Luft schnappen.
Mit dem Welpen oder kurz danach tritt auch die Nachgeburt (Plazenta) aus. Diese wird von der Hündin aufgefressen. Die Plazenta ist als erste Nahrung nach der Geburt von der Natur vorgesehen. Sie versorgt die Hündin mit wichtigen Nährstoffen und ist wehen- und laktationsfördernd. Dann oder auch schon davor durchtrennt die Hündin mit ihren Backenzähnen die Nabelschnur.
Abb. zeigt Hündin durchtrennt Nabelschnur.
Manchmal ist es so, dass die Instinkte der Hündin aussetzen und der Züchter muss die Welpen versorgen. Der Züchte öffnet unter der Kehle des Welpen die Eihülle und hält ihn dabei mit dem Kopf nach unten, damit Fruchtwasser aus seinem Maul und Nase ablaufen kann. Die Fruchtblase wird von unten nach oben abgestreift, und die Nabelschnur mit Daumen und Zeigefinger ca. 2 cm vom Ansatz abgequetscht. Aber der Besitzer sollte weiterhin die animieren ihre Aufgaben wahrzunehmen, denn sie kann alles am besten.
Wenn der Welpe kein Lebenszeichen gibt, dann eilt die Zeit. Man muss ihn nun mit einem Frotteetuch abrubbeln. Eingedrungenes Fruchtwasser muss aus den Atemwegen heraus, indem man das Neugeborene mit dem Kopf nach unten schüttelt. Sollte das auch nicht geholfen haben, gibt es noch die Möglichkeit das Fruchtwasser abzusaugen. Dabei nimmt man den ganzen Fang des Welpen in den Mund, saugt vorsichtig!!! das Fruchtwasser aus und spuckt es aus. Danach beginnen wir, leicht unseren Atem in den Welpen einzublasen.
Hier könnte dem Welpen auch etwas verdünnter Brandy auf die Zunge gegeben werden, um den Atemreflex anzuregen.
Zur Austreibung eines Welpen bedarf es meist ca. 4-6 Presswehen. Ungefähr 3 Minuten dauert die Austreibung eines Welpen. Der zweite Welpe folgt meist recht schnell. Ansonsten liegt die Intervalldauer von Welpe zu Welpe bei durchschnittlich 45 Minuten. Bei grossen Würfen wird die Intervalldauer vielleicht ab dem 7. Welpen etwas grösser, weil die Ermüdung der Hündin einsetzt.
Es besteht auch die Gefahr, dass ein toter Welpe den Geburtskanal verstopft oder die Hündin unter Wehenschwäche leidet. Sollte also ein Intervall von 2 Stunden überschritten werden, dann müssen Sie unbedingt den Tierarzt rufen.
Eine Angst vor einer Steissgeburt (Hinterendlage) ist unbegründet, da sehr viele Welpen so geboren werden. Dabei liegen ihre Extremitäten ganz eng am Körper und erleichtern somit den Geburtsvorgang. Öfter jedoch als die Hinterendlage ist die Vorderendlage bei der der Welpe mit dem Kopf voran das Licht der Welt erblickt.
Während der Geburt muss man der Hündin immer wieder frisches Wasser zur Verfügung stellen. Sind die Welpen geboren ist ihr erstes Ziel eine Zitze zu erreichen. Die beiden Vorderläufe treten gegen die Zitze (Milchtritt) und der Welpe nimmt seine erste Mahlzeit zu sich. Diese erste Milch ist äusserst wichtig für den Neuankömmling, da sie ihn mit allem versorgt was er braucht. Die Entleerung des Welpen erfolgt in den ersten Tagen ausschliesslich durch das Lecken der Mutter. Tut sie das nicht oder zu wenig, dann kann der Welpe an Verstopfung sterben. Welpen zeigen Unbehagen ganz deutlich durch Wimmern oder Unruhe an. Also ist gründliches Beobachten sehr wichtig.
Die Nabelkontrolle sollte auch nicht vergessen werden. Wenn das Nabelende blaurosa ist, dann ist alles in Ordnung. Wenn es blutet, kann es mit Garn abgebunden werden. Nach 24 - 36 Stunden trocknet die Nabelschnur und fällt ab.
Auch muss man darauf achten, dass alle Plazenten (also so viele wie Welpen) ausgeschieden werden. Wenn eine im Körper der Hündin verbleibt, kann es leicht zu einer lebensbedrohlichen Lage führen, weil die Plazenta kurz nach der Geburt anfängt zu verwesen.
Der Tierarzt gibt dann eine wehenfördernde Spritze und die hängen gebliebene Plazenta wird ausgeschieden.
Die einzelnen Welpen müssen markiert werden, damit keine Verwechslungen auftreten. Zum Beispiel indem man ihnen etwas Fell wegschneidet. Dann werden sie gewogen und Auffälligkeiten notiert.
Leider gibt es auch Geburtsfehler, die der Züchter kontrollieren muss. Es gibt zum Beispiel falsch oder doppelt angelegte Gelenke , Spaltgaumen (geöffneter Oberkiefer verhindert die Nahrungsaufnahme durch Saugen, da die Milch aus der Nase wieder austritt), Herzfehler, Untergewicht, Doppelnasen, usw. Der Tierarzt muss die Überlebensfähigkeit der Welpen einschätzen, und wenn es sein muss den leidenden Welpen erlösen.
Die Geburt ist geschafft und die Hündin geht sich lösen. Kurz darauf kehrt sie zurück und sollte nun Nahrung bekommen. Zum Beispiel Fleischbrühe mit Fleisch, Ei und Getreideflocken bringen der erschöpften Hündin neue Energie. Dann wird sie sich sicherlich zu ihren Welpen legen und inmitten ihrer Familie ausruhen.
Hier haben wir einige schöne Zitate über „unsere Hunde“ zusammengetragen. Falls Sie die Sammlung ergänzen möchten, dann schreiben Sie Ihren Text einfach in unser Gästebuch!
Zitat des Tages
Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht.